Alte Regeln abschaffen!


Pssst… aber nicht für alle.


von Otto Manning

25.4.`18



„Die Digitalisierung ändert alles, wann ändert sich die Politik?“  Dies war ein Slogan der FDP im letzten Bundestags-Wahlkampf.
Zur Digitalisierung kann man verschiedene Ansichten vertreten, zur Politik nicht. Hier gilt bis jetzt und in alle Ewigkeit, wer den höchsten Preis bietet, bekommt das Gesetz nach Wunsch.

Und so wurde zum Schluss der vergangenen Legislaturperiode noch mal schnell ein Gesetz geändert, das das Taxigewerbe direkt betrifft.
Um das zu verstehen, müssen Sie den Unterschied zwischen Mietwagen und Taxen kennen, was die meisten Mitbürger natürlich nicht tun.


Taxi ≠ Mietwagen

Mit einem Taxi darf ich Sie von A nach B fahren und mich danach am nächsten Taxiposten bereitstellen, um auf den nächsten Auftrag zu warten. Die Beförderung findet zudem zu einem staatlich festgelegten Preis statt.
Mietwagen dürfen Sie zwar auch von A nach B fahren, aber zu einem selbst festgelegten Preis.
Kern-Geschäft der Mietwagen sind eigentlich VIP-Shuttels. Bei Events wie etwa der Verleihung eines Fernseh-Preises stehen dunkle Limousinen oder Vans mit Fahrern in Anzügen vor der Location und fahren dann die Prominenz zurück in die Hotels. Danach müssen sie zurück ins Depot und dürfen keine winkenden Fahrgäste an der Straße aufnehmen.
Das Großkapital, das nun - ganz selbstlos - die schöne neue und umweltfreundliche Mobilität gewährleisten will, möchte nun aber unbedingt Mietwagen sein und keinesfalls Taxi oder Sammeltaxi. Denn nur so wären sie von der lästigen staatlichen Preisvorgabe befreit.
Bislang mussten auch die Fahrer solcher Mietwagen die gleiche Qualifikation vorweisen wie Taxifahrer. Neben einem regelmäßigen Gesundheitscheck, mussten sie auch eine sogenannte Ortskundeprüfung ablegen. Das soll sich ändern, denn heute - so das Argument - könne man doch nach Navi fahren.


Real existierender Bullshit

Also neue Regeln. Deregulierung eben, die das Leben doch für alle so viel einfacher macht und auch ach-so zeitgemäß ist.
Neue Regeln - nur eben nicht für alle, denn ein Taxifahrer soll auch weiterhin den Nachweis einer Ortskundeprüfung erbringen. Warum das? Wegen der Umwelt? Hält man Taxifahrer für zu blöde, ein Navi zu bedienen, Mietwagenfahrer aber nicht?
Moia braucht für seinen „Test“ in Hamburg bei 1000 Fahrzeugen etwa 1500 Fahrer. Ein solcher Personalbedarf würde sich gemäß den Gesetzen des Marktes in höheren Löhnen niederschlagen.
Aber wenn man jeden, der einen Führerschein hat und in der Lage ist, geradeaus in einen Pappbecher zu pinkeln, das dient der Untersuchung auf Diabetes, als Mietwagenfahrer auf die Menschheit loslassen kann, dann natürlich zu Niedriglöhnen!



Wir wissen ja, dass, wenn endlich alle außer Politikern und den Vorständen von Konzernen im Niedriglohnsektor arbeiten, dies nur der Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands dient!
So wie unseren holländischen Nachbarn große Mengen von wertvollen Rohstoffen für das Recycling verloren gegangen sind, weil sie ihre Rentner nicht dazu bringen können, stinkende Abfälle nach Leergut zu durchwühlen. Da sieht man, dass faire Löhne und auskömmliche Renten direkt zum staatlichen Nachteil werden.


Unser täglich Navi gib uns heute

Zurück zum Navi. Es mag bei einer Fernfahrt oder auch über Land nützliche Dienste leisten, für Kurzstrecken in der Großstadt taugt es nicht.
Mir ist kein Navi bekannt, das das Straßennetz Hamburgs fehlerfrei darstellt. Schon gar nicht das hochgejubelte Google Maps. Da werde ich entgegen Fahrtrichtung in Einbahnstraßen geschickt, soll links abbiegen, wo links abbiegen verboten ist, oder auch einmal um den Block fahren, wo links abbiegen gestattet ist. Und diese Fehler in der digitalen Erfassung sind nicht eine seltene Ausnahme. Sie kommen massenhaft vor.


Ein Fahrer ohne Ortskunde ist schon hier verloren, kommen temporäre Probleme hinzu, etwa Straßensperrungen wegen Bauarbeiten oder gar Demos, ist er chancenlos.
Ein Extrem-Beispiel will ich Ihnen hier nennen. Der herrliche G20-Gipfel, den unser damaliger Bürgermeister, ein gewisser Olaf Scholz, in schonungsloser Offenbarung seiner intellektuellen Fähigkeiten vorab für eine Art "Hafengeburtstag" hielt.
Zufällig der gleiche Herr, der den seltsamen Vorvertrag mit VW zur Durchsetzung von Moia geschlossen hat. Aktuell hat er als Finanzminister den Deutschland-Vorstand der üblen Bank Goldman-Sachs zum Staatsekretär mit Fachgebiet Bankenregulierung ernannt. Der hat sicher gerne auf sein üppiges Gehalt verzichtet, um nun, nach seinen Verhältnissen als Staatssekretär nach Hartz IV bezahlt, seinem langjährigen Arbeitgeber das Leben schwer zu machen.
Den Bock zum Gärtner zu machen, ist offenbar das politische Programm von Olaf Scholz. Natürlich völlig selbstlos… .
Scholzens G20-Hafengeburtstag ging dann bekanntermaßen kräftig nach hinten los.


True Story

In zwei Stadtteilen tobte der Bürgerkrieg, die gesamte Innenstadt war von der Polizei gesperrt, um freie Fahrt für jede Delegation zu gewährleisten.
Am Fähranleger Teufelsbrück sammelte ich in dieser Nacht drei Amerikaner ein, die dort schon ziemlich lange standen. Erst einmal entschuldigten sie sich für Trump, dem das ganze Chaos ja geschuldet sei. Dann nannten sie mir drei Hotels in der Innenstadt, also eine echte „Ride-Pooling-Tour“, an der in dieser Situation jedes „autonome Fahrzeug“ mit digital bestimmter Route und auch jeder Fahrer ohne Ortskenntnisse gescheitert wäre.
Digital ist nie kreativ und hat deswegen seine Grenzen. Mir jedoch ist es gelungen, alle drei US-Bürger bis vor ihre drei Hotels zu fahren. Die Lösung des Problems war… nein, das verrate ich jetzt nicht, denn meine Ortskunde ist etwas wert, die gibts nicht umsonst.
Die Tour kostete, wegen der nötigen Umwege, statt etwas über € 20,- nun etwas über € 30,-. Die Amerikaner vergüteten diese Leistung mit € 50,-.


Ob die Abschaffung der „überholten“ Ortskundeprüfung für die Fahrer von Moia, nicht aber für Taxifahrer, nun „zeitgemäß“ ist und der Allgemeinheit dient - also auch Ihnen - oder nur der Profitmaximierung von Umweltschützer „Dieselbetrugs-VW“, müssen Sie nun selber beurteilen.

Beispiel Google Maps

Schon im Alltag untauglich. Beförderungswunsch war von Wandsbek Markt zur Straße Nöpps. Korrekt wäre es nach der Schumann-Brück links in die Jüthornstraße gegangen.
Unseren ortsunkundigen MOIA-Fahrer schickt das Navi aber geradeaus auf die Rennbahnstraße und dann nach links in die Straße Am Husarendenkmal.

Die Rennbahnstraße ist eine hochfrequentierte, vierspurige Hauptstraße. Links abbiegen ist an dieser Stelle lebensgefährlich und daher auch verboten.

Um korrekt wenden zu können, muss das Moia-Fahrzeug nun mehr als einen Kilometer geradeaus fahren, um dann zurück zu kehren! Lustig für einen möglichen weiteren Fahrgast, der vielleicht ins Hermannstal wollte, und nun einige hundert Meter vom Ziel entfernt erst einmal über einen Kilometer zurück gekarrt wird.

travis bickle