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18.5.`20

Konsortium des Grauens

Moia, Clevershuttle, ViaVan und der Bundesverband für Taxen (und Mietwagen) haben sich zusammen getan und einen gemeinsamen Appell verfasst.
Zunächst werden "Abgrenzungskriterien" für verschiedene "Verkehrsformen" definiert, um so zu tun, als wären zum Beispiel die Sammeltaxis von Clevershuttle keine Taxis.
Dann heisst es dort es:

Pooling rechtssicher zulassen


Pooling muss im PBefG rechtssicher anerkannt werden. Poolingverkehre sollten sowohl privatwirtschaftlich als eigener Tatbestand als auch gemeinwirtschaftlich im Rahmen des ÖPNV erbracht werden können. Der gesetzliche Rahmen sollte insbesondere Poolingverkehre zulassen und als wichtigen Baustein der Verkehrswende anerkennen, die nachweislich eine verkehrsentlastende Wirkung haben oder die Anbindung unterversorgter Gebiete verbessern. Die verkehrsentlastende Wirkung wird durch eine Poolingquote sichergestellt.



"Nachweislich".
Noch gibt es keine offizielle Studie, die diesen "Nachweis" erbracht hat. Allerdings gibt es Untersuchungen wie diese hier, dass das sog. "Pooling" ein Schwindel ist. Trotzdem - oder besser, gerade deshalb - fordert hier offenbar der Moia-Vertreter in diesem Konsortium des Grauens, seinen Teil vom Kuchen ein, in dem der angebliche Segen, den das sogenannte Pooling bringt, vorab per Gesetz beschlossen wird. Am besten noch mit staatlichen Subventionen für die VW-Tochter, falls es doch nicht so gut läuft.
Und auch die sagenhafte "Poolingquote" fehlt nicht in dem Text, deren Berechnungsgrundlage man realistischerweise auf Grundlage der Mathematik machen kann oder von der Marketingabteilung eines Konzerns zusammenreimen lassen kann.
Die eigentliche Sensation in dem Papier ist aber etwas anderes. Nämlich Punkt 3:

Vorbestellfrist für Mietwagen einführen

Die Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass ad-hoc verfügbare taxiähnliche Verkehre durch großstädtische Mietwagen den im Sinne der öffentlichen Interessen agierenden Verkehren durch ruinösen Wettbewerb die Grundlage entziehen. Dies konterkariert die Ziele der Verkehrswende. Um diese Verkehre zurückzudrängen, muss zusätzlich zur wirksamen Durchsetzung der Rückkehrpflicht eine Vorbestellfrist für die Bestellung von Mietwagen in der Großstadt eingeführt werden. Diese wirksame Maßnahme schützt auch die Verkehrsform des Mietwagens nach §49 PBefG und erlaubt ihr, das klassische Geschäftsfeld - die exklusive individuelle Beförderung auf Vorbestellung - weiterhin zu bedienen.


Hier geht es darum, als Mietwagen getarnte Taxis - wie zum Beispiel Uber oder Freenow Ride - daran zu hindern, taxiähnliche Verkehre durchzuführen. Eine Vorbestellfrist von z.B. 30 Minuten würde Mietwagen wieder zu dem machen, was sie eigentlich sind. Dies ist der Teil, den der Taxiverband heraus gehandelt hat, um das Geschäft des Taxis zu schützen. Aber auch Moia & Co können sich damit anfreunden, denn es würde auch sie vor Uber schützen, während sie gleichzeitig als "Poolingverkehre" für sich eine Sonderstellung herausspielen wollen, siehe die "Abgrenzungskriterien" und die "Rechtssicherheit für Poolingverkehre" oben.
Für eine Stadt wie Berlin, wäre dieser Deal tödlich, denn dort wird schon die Rückkehrpflicht von Uber durch die Verkehrssenatorin Frau Regine Günther von der Partei Bündnis90/ Die Grünen nicht kontrolliert. Warum sollte sie dann jemals die Einhaltung einer Karenz-Zeit für Uber kontrollieren?
Und was hindert z.B. Uber daran, den Nachweis der Einhaltung dieser neuen Regel mit allerlei Tricks zu unterwandern, für die das Unternehmen bekannt ist. Wie zum Beispiel bei der Sache mit der Gesichtserkennung zur Sicherhstellung, dass auch wirklich der Fahrer hinter dem Steuer sitzt, der sich am System angemeldet hat.


Die Idee einer Vorbestellfrist kommt ursprünglich aus Barcelona, wo sie bereits unterlaufen wurde und nur für die erste Bestellung des Tages gilt. Sie wurde zuletzt hier in Hamburg auf einer Demo vorgetragen und wurde vom BZP inzwischen übernommen.



In Städten mit einer funktionierenden Verwaltung wäre eine solche Vorbestellfrist sicher eine sehr gute Sache, eine echte Kontrolle und echte Sanktionen vorausgesetzt. In Hamburg ist das bislang der Fall, in Berlin aber schon lange nicht. Auch ist in dem Papier keine konkrete Zeit genannt, sodass dieses kleine, aber bedeutende Detail später problemlos klein gezaubert werden kann.
Deswegen regt sich inzwischen Widerstand und die Kollegen haben allen Grund dazu.


Update:


Inzwischen wurde ein ebenso aufklärender wie kritischer Artikel, der oben durch das Wort "Widerstand" verlinkt ist, von Verbandskräften entfernt und hat hier einen Unterschlupf gefunden.


Den Appell des Konsortium des Grauens zum Download:

News

18.4.`20

Übers Knie

Der Spiegel berichtet online über eine neue Studie einer privaten Forschungseinrichtung namens "Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung" WZB. Dort heisst es:


Ernüchternde Antworten kommen vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB). Dessen Expertinnen und Experten haben Fahrgastdaten des Anbieters Clevershuttle in einer Langzeitstudie untersucht und mehr als 3500 Kunden befragt. Der Dienst nimmt demnach vor allem Bussen und Bahnen Fahrgäste weg.


Die Anordnung der Begriffe aus denen sich der Name "Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung" zusammen setzt, ist irgendwie komisch, oder? Es wirkt zufällig, ihre Reihenfolge will nicht wirklich Sinn ergeben.
Jedenfalls:


Laut der Studie gab allerdings die Hälfte der Befragten an, sie hätten ohne das Ridepooling-Angebot Busse und Bahnen genutzt. Nur jeder Zehnte wäre stattdessen mit dem eigenen Pkw gefahren. Der Rest ließ beispielsweise das Fahrrad stehen oder hätte sich sonst gar nicht auf den Weg gemacht. Der gewünschte Effekt, Autofahrer zum Umsteigen zu bewegen, tritt also kaum ein. Zudem teilen sich der Studie zufolge nur zu einem Drittel der Fahrzeit Passagiere eine Fahrt.


Leiter der Studie ist ein gewisser Andreas Knie. Er ist promovierter Politologe und plädiert seit Jahren vehement in zahlreichen Publikationen und Presseartikeln für eine Abkehr von einer "auto-nahen" Verkehrspolitik und macht Politik für Mobilitätsangebote wie CleverShuttle, Moia, BerlKönig, Ioki etc. Auch er phantasiert davon, dass Plattformanbieter wie Uber oder App-basierte Roller- oder Fahrradverleiher es dem Bürger ermöglichen würden, unterschiedliche Mobilitätsangebote zu kombinieren und zu einer "postfossilen Mobilitätskultur" zu verbinden.


Unglücklicherweise kommt nun seine eigene Studie zu dem Schluss, dass das nicht funktioniert und dass…


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News

30.3.`20

Geschafft!


Eigentlich wollten sie am 1.4.`20 den Bertrieb einstellen, aber jetzt gibts Moia im Auftrag der Stadt. Natürlich zu Sonderkonditionen.
Diese Sonderkonditionen wird Jemand ausgleichen müssen und VW wird das wohl nicht sein, sondern die Stadt, der Staat. Wird Moia jetzt in den HVV integriert, womöglich dauerhaft? Was wird aus dem Testbetrieb, dem Gutachten über Moias Wirkung auf Verkehr und Taxen? Ist es vorstellbar, dass das am Ende noch irgendeine Rolle spielen wird?
Wie es aussieht, hat Moia es plötzlich geschafft.

News

20.3.`20

MOIA shutdown

screenshot

MOIA stellt seinen Betrieb ab 1. April vorübergehend ein.



PS: When the going gets tough, the tough keep going. Die Taxis fahren weiter, Stichwort "Öffentliche Verkehrsinteressen".

News

26.2.`20

Vermischte Nachrichten

Das Corona-Virus hat sich inzwischen bis nach Deutschland ausgebreitet und wie der Fokus meldet, ist die Ausbreitung von MOIA bis nach Rissen, Lurup, Schnelsen und Volksdorf ab dem 1. März zu erwarten. Bisher sind 427 MOIAs auf den Straßen nachgewiesen, sodass davon ausgegangen werden muss, dass die immer wieder veröffentlichte Zahl von 330 Fahrzeugen nicht zutrifft.
Ausserdem geht das Postengeschacher im Senat los, weil die Grünen die Wahl gewo… so gut abgeschnitten haben und das Abendblatt meldet:

Abendblatt.de von 26.2.2020

Nach Lage der Dinge erheben die Grünen Anspruch auf die Leitung der Verkehrsbehörde

Da die Verkehrsbehörde mit der Wirtschaftsbehörde zusammen gelegt ist, muss das Konstrukt für die Grünen jetzt wieder aufgeteilt werden, damit die SPD ihre Lufthoheit über die Wirtschaft bekommt, die Grünen den Verkehr lahmlegen können und alle mit dem Ergebnis zufrieden sein können.

Abendblatt.de von 26.2.2020

Als Favorit für den Posten eines grünen Verkehrssenators gilt Bürgerschaftsfraktionschef Anjes Tjarks, der auf SPD-Seite prinzipiell im Senat hochwillkommen wäre, weil er als verlässlich und kompetent gilt. Bei einer Verschmelzung von Umwelt und Verkehr ist die Frage, ob Jens Kerstan Chef der Behörde bliebe. Das Verhältnis zu Tschentscher gilt als zerrüttet, andererseits hat er starken Rückhalt an der grünen Basis.

Fokus


Abendblatt

News

21.2.`20

Machtlos bei Moia

Die Mopo berichtet, Moia habe 100 Festangestellte entlassen und versuche diese nun durch Werksstudenten und 450€ Jobber zu ersetzen. Eine Sprecherin von Moia dementiert das artig.

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News

23.12.`19

Moia vom Staat

Dennis Thering, Verkehrspolitiker der CDU in Hamburg ist ein bekennender Moia-Fan. Er hat laut Abendblatt

den Senat aufgefordert, dafür zu sorgen, dass künftig auch in äußeren Stadtteilen und über die Landesgrenzen hinaus flächendeckend Leih- und Sharingangebote verfügbar sind.

Herr Thering findet, dass

Nur wenn Sharingangebote zuverlässig in der ganzen Stadt und darüber hinaus verfügbar sind, werden mehr Menschen auch außerhalb der Innenstadt auf ihr Auto verzichten

Was Herr Thering fordert, bedeutet im Klartext…
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Pooling

21.11.`19

Saturday Night Pooling

Eine Disco Kugel

Wir erreichen im Wochendurchschnitt eine Pooling-Quote von 60 Prozent.
Robert Henrich (CEO MOIA) beim "Mobility Circle 2019"

Am Freitag haben wir gesehen, dass Pooling durch MOIA misslungen war. Der Pooling-Index war magere 0,53 Aufträge pro gefahrenen Kilometer. Aber weil Moia von 60% Pooling-Quote deliriert sind wir am Tag darauf, am Samstag den 16.11.2019 in der Zeit zwischen 19 und 23 Uhr, wieder einem MOIA Wagen gefolgt.


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Pooling

20.11.`19

Eisbein-Pooling


Teller mit Moia

Das traditionelle Eisbein-Essen ist in Hamburg ein besonderes Event und für die Hamburger Taxibranche eine besondere Nacht. Jedes Jahr führt diese Veranstaltung dazu, dass die Nachfrage nach Taxen extrem hoch ist. So war es auch in diesem Jahr.
Wenn die Nachfrage allgemein groß ist (Freitagnacht, Eisbein-Essen, Dom) kann man davon ausgehen, dass auch MOIA jede Menge Arbeit haben sollte. Dieses wollte ich mir am diesjährigen Eisbein-Wochende ganz genau ansehen…
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News

13.11.`19

Moia in Ealing

Nach Hannover und Hamburg startet Heute ein drittes Moia-Projekt und zwar in einem Vorort von London, im Stadtteil Ealing… .
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30.9.`19

All Together Now

Wie berichtet wird, will BMW seinen Anteil an dem "Now" Mobility-Joint-Venture mit Daimler, verkaufen. ShareNow, RideNow, FreeNow - der ganze "Now" Kram soll weg.

Vision-Monility.de:

Keine Airline, sondern Flugzeugbauer wolle man sein, erklärt der neue BMW-Chef Oliver Zipse in Analogie zur Flugzeugbranche. Und kündigt einen Rückzug auf die eigentliche Kernkompetenz Automobilbau an, die den Verkauf der Mobilitätsdienstsparte umfassen soll.


BMW will seinen Anteil also verkaufen. Offenbar wird man aber auch bei Mercedes nervös, denn das Manager Magazin berichtet:


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Pooling

3.9.`19

Poolnapping

von Ivica Krijan



Am 28.08.`19 um 14 Uhr wollte ich zusammen mit einer Begleitung in einem MOIA von der Ernst-Horn-Straße 36 in die Rathausstraße 6 fahren. Als wir einstiegen, zeigte das MOIA-Display keinen zweiten Besteller an und wir freuten uns darauf, allein zu fahren.
Als wir schon in der Innenstadt, am Sieveking Platz waren und damit nur noch 1,4 Kilometer von unserem Ziel entfernt, erschien eine Meldung auf dem Display, die alles kaputt machte, denn …

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Pooling Index

23.7.`19

Power Pooling



Fahrt nach Billstedt

Am Montag den 08.07.2019 bin ich wieder mit MOIA gefahren. Gestartet bin ich in Stellingen in der Ernst-Horn-Straße 36. Das Ziel war Am Schiffbeker Berg in Billstedt. Ich bin hin und zurück gefahren.

Nach Blankenese über Billstedt

Nach der Bestellung habe ich die Anfahrt des MOIA verfolgt. Im Moment der Bestellung war der Wagen in der Koppelstraße und ist dann über Basselweg, Kieler Straße, Wolfstraße und Försterweg zu mir gefahren. Der Wagen war nicht leer, sondern hatte einen Fahrgast am Bord, der vom Flieger in den Hellgrundweg wollte. 

Ich wurde eingesammelt. Danach sind wir zu zweit in den Hellgrundweg gefahren und von da ging es über die Bürgerweide Richtung Billstedt.
Auf der Bürgerweide, bei der Alfredstraße wendete das MOIA-Fahrzeug und fuhr zurück, um über Steinhauerdamm und die Lübecker Straße in die Landwehr zu fahren. Dort war ein neuer Fahrgast einzusammeln. Dieser wollte nach Blankenese, in die Blankeneser Bahnhofstraße.

Power Pooling

Ortskundigen springen hier sofort zwei Merkwürdigkeiten ins Auge und zwar…

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News

15.7.`19

Powered By Volkswagen


Ein Typ namens Sebastian Schaffer (Die Grünen), der bisher stellvertretender Sprecher des Hamburger Senats war, wechselt zum 1. September in die Unternehmenskommunikation der Volkswagen AG und wird dort Reden für den Vorstand schreiben.
Sebastian Schaffer erklärte, für ihn werde ein

Kleinjungentraum

wahr, denn er bekomme die Chance in einer

spannenden Zeit

beim größten Auto-Konzern der Welt an

der Wende zur E-Mobilität mitzuarbeiten.

Natürlich finden auch wir kleine Jungen süß und gönnen jedem sein inneres Kind, aber folgt man dieser Logik, könnten dann nicht auch Kriegsdienstverweigerer ohne Gewissensbisse bei der Fa. Kalashnikow an der Wende zum Strahlengewehr mitarbeiten?
Als Wähler fühlen wir uns betrogen, denn für uns ist diese Zeit nicht "spannend", sondern beschissen.

Warum?


Wir stehen im Regen, den Politiker- und Industrie-Interessen auf uns niedergehen lassen. Als Wähler fühlen wir uns verschmäht und verachtet und fragen uns - warum?
Nicht nur Taxifahrern geht es so, sondern allen, die sich durch Arbeit ernähren und nicht durch Bullshit. Wir wissen das, denn in der Taxe reden die Leute.
Wenn ein Hinterbänkler wie dieser Sebastian Schaffer in die Chefetage von VW wechselt, könnte das eine unbemerkte Randnotiz bleiben, aber weil wir viele sind, ist irgendeiner von uns garantiert wach und sieht das.

Wir sehen euch.
Wir sehen was ihr macht. Wir sehen, was ihr wirklich seid.
Einige von uns hatten geglaubt, die Grünen wären immun und für die Industrie nicht so leicht zu haben, wie ganz normale Polit-Huren, aber das war dann wohl auch bloß ein Kindertraum.
Andere von uns waren nicht so naiv und wussten es schon lange. Spätestens beim Blick in harmlose Gesichter mit dem narzisstischem Blick aus Kinderaugen.
Wenn man Phrasen, Relativierungen und lauwarme Statements hört und wenn man sieht, wie sie sich immer wieder bei der Macht anheischig machen, dann ist alles klar.
Ab 1. September gibt es mit Sebastian Schaffer einen Brückenkopf bei VW für ambitionierte Hinterbänkler und Provinzpolitiker aus Hamburg. Die, wenn sie sich wohl verhalten und den Interessen des "weltweit größten Automobilherstellers" nicht im Weg stehen, eine lukrative, rosige berufliche Zukunft haben.


Links:




travis bickle