Power Pooling

von Ivica Krijan

23.7.`19

Fahrt nach Billstedt

Am Montag den 08.07.2019 bin ich wieder mit MOIA gefahren. Gestartet bin ich in Stellingen in der Ernst-Horn-Straße 36. Das Ziel war Am Schiffbeker Berg in Billstedt. Ich bin hin und zurück gefahren.

Nach Blankenese über Billstedt

Nach der Bestellung habe ich die Anfahrt des MOIA verfolgt. Im Moment der Bestellung war der Wagen in der Koppelstraße und ist dann über Basselweg, Kieler Straße, Wolfstraße und Försterweg zu mir gefahren. Der Wagen war nicht leer, sondern hatte einen Fahrgast am Bord, der vom Flieger in den Hellgrundweg wollte. 

Ich wurde eingesammelt. Danach sind wir zu zweit in den Hellgrundweg gefahren und von da ging es über die Bürgerweide Richtung Billstedt.
Auf der Bürgerweide, bei der Alfredstraße wendete das MOIA-Fahrzeug und fuhr zurück, um über Steinhauerdamm und die Lübecker Straße in die Landwehr zu fahren. Dort war ein neuer Fahrgast einzusammeln. Dieser wollte nach Blankenese, in die Blankeneser Bahnhofstraße.

Power Pooling

Ortskundigen springen hier sofort zwei Merkwürdigkeiten ins Auge und zwar eine Routenführung, die dafür sorgt, dass Kunden länger als nötig an Bord des MOIA sind.
Für Fahrgast Nr.1, der vom Flughafen zum Hellgrundweg wollte und auch für mich wäre es günstiger gewesen, erst ihn im Hellgrundweg abzusetzen und dann mich abzuholen, um dann weiter nach Billstedt zu fahren. Aber das System sorgte dafür, dass wir im MOIA 2,3 km gemeinsam zurück legten.

Noch eklatanter ist es im Fall des Kunden, der von der Landwehr nach Blankenese wollte und zuerst nach Billstedt befördert wurde. Er musste dann von Billstedt wieder zurück, vorbei an seinem Ausgangspunkt und hin zu seinem eigentlichen Ziel. Diese Pooling-Route ist absurd, denn Blankenese liegt weit im Westen der Stadt und Billstedt liegt weit im Osten.

Als Erklärung wäre natürlich ein Schluckauf der Software denkbar, weil MOIA sich ja noch in der Erprobung befindet. Vielleicht weil beide Stadtteile mit "B" beginnen, ist da was durcheinander geraten, aber das verbindende Element beider Beispiele ist die Tatsache, dass MOIAS Pooling-Quote durch Kunden, die gemeinsam aber sinnlos im Fahrzeug Kilometer zurücklegen, künstlich erhöht wird.
Honni soit qui mal y pense.
Am Ende wurde ich jedenfalls auf der Horner Landstraße abgesetzt und MOIA ist zurück Richtung Blankenese gefahren. Ob andere Menschen zugestiegen sind, weiß ich nicht.
Zusammengefasst sieht es folgendermaßen aus:

Aufträge

Start Ziel Kilometer
Auftrag 1 Flughafen Hellgrundweg 100 10,6 Km
Auftrag 2 Ernst-Horn-Straße 36 Am Schiffbeker Berg 14,1 Km
Auftrag 3 Landwehr Blankeneser Bahnhofstraße 17,3 km
42 km

Phasen

Um die Effekte zu verstehen, die den Pooling-Index (oder die "Pooling-Quote") beeinflussen, ist es hilfreich, die Phasen zu betrachten, aus denen das Pooling besteht.

Der Ablauf der Fahrt mit entsprechenden Phasen und den Kilometern sieht dann so aus:

Aufträge

Start Ziel Kilometer
Phase 1 Anfahrt zu FG 1 Flughafen ~3 Km
Phase 2 Anfahrt zu FG 2 Ernst-Horn-Str. 10,89 Km
Phase 3 FG 1 absetzen Hellgrundweg 2,3 Km
Phase 4 Anfahrt zu FG 3 Landwehr 12,74 Km
Phase 5 FG 2 absetzen Am Schiffbeker Berg 4,83 Km
Phase 6 FG 3 absetzen Blankeneser Bhf. Straße 20,5 Km
54,26 km

Pooling-Index

Wenn man die drei Aufträge mit dem Privat-PKW ausführen würde, kämen 42 Kilometer zustande. MOIA hat daraus 54,26 Kilometer gemacht. Damit ist der Pooling-Index pro gefahrenen Kilometer 0,77.
Die Formel für den Pooling-Index sieht so aus:

42 / 54,26 = 0,77

Das ergibt 0,77 Aufträge pro gefahrenen Kilometer. Damit liegt MOIA deutlich unter dem Wert des privaten PKW und ist damit schlechter.


größerer Zahl = besserer Index

Rückfahrt nach Stellingen

Die Rückfahrt nach Stellingen war wesentlich einfacher. MOIA kam von der Wandsbeker Chaussee und hatte eine Anfahrt von 4,87 Kilometer. Danach haben wir zwei Fahrgäste in Am Elisabethgehölz eingesammelt. Sie wollten in den Mittelweg ~150. Am Ende wurde ich in der Ernst-Horn-Straße abgesetzt. Der Wagen ist leer weiter gefahren, ohne eine Anschluss Tour.

Aufträge

Start Ziel Kilometer
Auftrag 1 Am Schiffbeker Berg Ernst-Horn-Str. 14,1 Km
Auftrag 2 Am Elisabethgehölz Mittelweg 150 6,9 Km
21 km

Der Ablauf der Fahrt mit entsprechenden Phasen und den Kilometern sieht dann so aus:

Aufträge

Start Ziel Kilometer
Phase 1 Anfahrt zu FG 1 Am Schiffbeker Berg 4,87 Km
Phase 2 Anfahrt zu FG 2 Am Elisabethgehölz 2,86 Km
Phase 3 FG 2 Absetzen Mittelweg 15 7,42 Km
Phase 4 FG 1 Absetzen Ernst-Horn-Straße 36 6,3 Km
21,45 km

Pooling-Index

Nach der gleichen Logik wie oben, haben wir bei der Rückfahrt ein besseres Ergebnis. Für die zwei Aufträge bräuchten die Privat-PKWs 21 Kilometer und MOIA brauchte 21,45 Kilometer.

21 / 21,45 = 0,98

Das ergibt 0,98 Aufträge pro gefahrenen Kilometer. Hier kommt MOIA sehr nah an den Privat-PKW. Schaut man auf die Karte, wird auch klar, warum. Es wurden zwei lange Fahrten gepoolt und der Umweg, um den zweiten FG einzusammeln, fällt unter diesen Umständen gering aus.

Woher kommen die MOIA Fahrgäste?

Um den Wert des MOIA Poolings richtig einordnen zu können, muss man wissen, woher die Fahrgäste kommen. Da es bisher in Hamburg keine Umfrage zu diesem Thema gibt (warum eigentlich nicht?), müssen wir auf andere Quellen zugreifen. 

MOIA selbst sagt, dass deren Fahrgäste fast ausschließlich das eigene Auto stehen lassen, um mit MOIA zu fahren. Die Taxifahrer vermuten, dass es hauptsächlich die Taxikunden sind. HVV befürchtet, dass es deren Kunden sind.
Wer hat jetzt recht?
Aus eigener Erfahrung stelle ich fest, dass einige von Bus und Bahn kommen. Manche sagen, dass es in anderen Städten Befragungen gibt, welche sagen, dass ¾ der Kundschaft der Sharing-Dienste von Bus und Bahn kommen. Ich schlage vor, dass wir hier zum Zweck der Anschaulichkeit konservativ schätzen und annehmen, dass 50% der MOIA Kunden vom Bus, Bahn, Fahrrad oder Fußgänger kommen. Wenn diese Annahme richtig sein sollte (hoffentlich haben wir bald eine unabhängige Umfrage), dann hat dies Auswirkung auf den Pooling-Index von MOIA.

Bereinigter Pooling-Index (BPI)

Im ersten Beispiel war diese Quote 0,77. Wenn aber die Hälfte der Kunden von Bus und Bahn kommen, dann müssen wir diesen Wert um diese Kunden korrigieren, denn Bus und Bahn fahren trotzdem. Die Korrektur sieht dann so aus:

BPI Beispiel 1

0,77 (Aufträge pro KM) x 0,5 (Bus- und Bahnumsteiger) = 0,385.

Im zweiten Beispiel, wo der Pooling-Index fast an den des Privat-PKW heran kam, sieht es dann so aus:

BPI Beispiel 2

0,98 (Aufträge pro KM) x 0,5 (Bus- und Bahnumsteiger) = 0,49.


größerer Zahl = besserer Index

Fazit

Im Grunde ist es egal, wie man es rechnet, es zeigt sich, dass MOIA nur eins zum Verkehr beitragen kann und zwar: Mehr davon.
Selbst unter optimalen Bedingungen ist der Pooling-Index von MOIA höher, als der eines Privat-PKWs. Wenn man dann noch die Umsteiger vom Fahrrad, Bus und Bahn mit in die Rechnung einbezieht (BPI) - die in anderen Städten zwischen 50% und 75% ausmachen - wird das Ergebnis eklatant und die Behauptung der Verkehrsentlastung wird zum Witz.

Zusätzliche Kilometer, die durch die An- und Abfahrten der MOIAs von und zum "Hub" anfallen, jeweils am Anfang und am Ende der Schicht, sowie zwischendrin zwecks Aufladung der Batterie, müssten zu den obigen Berechnungen eigentlich noch addiert werden, wodurch der Pooling-Index von MOIA in Wirklichkeit noch schlechter ausfällt. Von Leerfahrten zu Werbe- und Präsenzzwecken ganz zu schweigen.
Die Ergebnisse zeigen auch, dass die normative Kraft der Mathematik den Bullshit entlarvt. Alle, die den Einflüsterungen geglaubt haben, dass MOIA den Verkehr entlasten würde, müssen sich fragen lassen, ob sie denn nicht rechnen können.
Die vielbeschworene "Erprobung", auf deren Grundlage MOIA genehmigt wurde, hätte man statt mit 1000 Fahrzeugen auf Hamburgs Straßen auch mit einem Taschenrechner in einem Büro durchführen können.
Die vielen selbsternannten "Verkehrsexperten", zum Beispiel in den Parteien, entpuppen sich dadurch als Laien. Ich wäre daher nicht überrascht, wenn wir bald eine neue PR zu hören bekommen, die den Zweck und die Begründung für MOIA einfach umdichtet.


travis bickle