MyTaxi schweigt

16.3.`18

Und alle hören es. Laut und deutlich.
Wenn Moia in den Markt eintritt, wird ein Massensterben im Taxigewerbe einsetzen und jene Resource, die MyTaxi benötigt, um sie zu vermitteln, wird dann nicht mehr da sein.
MyTaxi braucht Taxis zum Vermitteln auf der Straße, so dringend wie Kunden mit Smartphones. Wenn eines von beidem nicht mehr da ist, können sie den Betrieb einstellen. Dies wäre ein Grund zur Beunruhigung, wenn nicht zur Panik, aber von Daimlers Disruptor kommt genau nichts.
Merkwürdig, oder?
Der Mercedes-Konzern kann sich mindestens so viele Anwälte, Lobbyisten und Politiker kaufen, wie der VW Konzern und gegen Moia auf allen möglichen Ebenen vorgehen - sie könnten versuchen ihr Geschäft zu schützen! Aber tun sie's?
Nö.
Wenn Moia kommt, wird es MyTaxi als erstes und am härtesten treffen, denn deren Hauptkundschaft sind genau die Leute, auf die Moia es abgesehen hat. Diese Kundschaft erfüllt alle Vorraussetzungen um Moias leichte Beute zu werden: App-affine junge Angestellte mit großem Lifestyle- und Freizeitbedarf, aber begrenztem Budget, denn das coole Leben kostet. Das Publikum, das bei Moia bisher nur in Werbespots im Auto sitzt, fährt heute schon in der Wirklichkeit mit MT.
Aber Morgen nicht mehr, denn Moias Dumping ist thermonuklear.


Die Preisspirale des Todes

Gegen Moias "Preismodell", aka Dumping, nehmen sich die verbotenen Rabatte von MT aus wie böse, kleine Streiche von Abiturienten. Statt sich zu wehren, wäre MyTaxis andere mögliche Antwort auf Moia, noch krassere Rabatte anzubieten, aber die sind erstens nicht erlaubt und führen zweitens zu einer Preis-Spirale des Todes.
Ist denen das nicht klar?
Im Grunde verhalten sich die plietschen Jungs von MyTaxi jetzt genauso, wie eine bekannte hamburger Funkzentrale, als MyTaxi auf dem Markt auftauchte: Kopf in den Sand, nö ach, wird schon gut gehen.


Das Warum

Einige glauben an Geheimabsprachen zur Aufteilung der Beute zwischen Daimler und VW.
Möglich wäre aber auch dass MTs Tatenlosigkeit durch ihre Denkweise begründet ist.
Gängige Doktrin hochbezahlter Durchblicker ist, dass in Zukunft alle ihr Auto stehen lassen, um "Mobilität" zu "sharen". Man muss nur ein Angebot schaffen und der zu erwartende Markt wird gigantisch.
Und so denkt MyTaxi-Chef Mönch. Nach dem Motto:"Es ist genug für alle da, der Wettbewerb geht über das Angebot". Eine Denkweise à la Milton Friedman auf Steroiden.
Der wird sich noch wundern.


MyTaxi-Deutschland-Chef Alexander Mönch im Interview
travis bickle